Die Dialektik des Todes

Während im Alten Testament die größte denkbare Strafe Gottes darin bestand, kinderlos zu bleiben, wird im Existenzialismus daraus die doppelte Kränkung des Individuums.

Während der archaisch geprägte Mensch sich als Teil seiner Familie, seines Stammes und seines Volkes versteht, begreift sich der moderne Existenzialist als isolierte Identität, die an der Grenze des Todes besonders deutlich hervortritt.

Das Individuum stirbt in der Tat und hört auf zu existieren. Die Daseinsberechtigung des Existenzialisten besteht ausschließlich in seiner Existenz, die nirgends so deutlich wird, wie an der Grenze des Todes. Heidegger spricht in diesem Zusammenhang von der „Jemeinigkeit des Todes“.

Der Tod ist nach Sartre für die „menschliche Wirklichkeit“, sein Bewusstsein, ein Ereignis der Außenwelt mit zufälligem Datum und daher absurd.

Der Mensch kann ihn deshalb nicht durch Erwartung sinnstiftend in seinen Existenzentwurf einbeziehen. Vielmehr stellt er eine vollständige Entfremdung dar, die dadurch verdoppelt wird, dass die „menschliche Wirklichkeit“ dann nur noch im Gedächtnis der Anderen existiert.

Das was in archaischen Gesellschaften die schlechthinnige Sinnhaftigkeit darstellt, das Fortleben in Gestalt der eigenen Kinder, wird bei Sartre zur Verdoppelung der Entfremdung.

Wenn mein Leben mir nach dem Tod schon nicht mehr gehört und ich diese Entfremdung meiner selbst nicht verhindern kann, so soll mein Leben wenigstens auch niemandem anderen gehören. Das Weiterleben in den Nachkommen, das Versprechen Gottes an Abraham, gerät zur narzisstischen Kränkung.

Konsequenter Weise hat Sartre, der zwar Beziehungen zu vielen Frauen unterhielt, Kritiker sagen, er habe sich einen Harem gehalten, keine eigenen Kinder hinterlassen.

Allerdings hat er eine junge Algerierin kennengelernt und sie bereits 1965 adoptiert und ihr eine Wohnung am Montparnasse gekauft und mit ihr dort zusammengelebt. Arlette Elkaïm fiel die Aufgabe zu, seinen Nachlass zu verwalten.

Jean Paul Sartre wollte der Nachwelt unter keinen Umständen seine Gene hinterlassen, wohl aber seine Schriften.

Ob das gut oder schlecht ist, mag jeder selbst entscheiden.

 

 

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