Hans im Glück

„Was der Mensch wirklich will, ist letzten Endes nicht das Glücklichsein, sondern ein Grund zum Glücklichsein.“

Glück kann man sich nicht verdienen, dann wäre es ja kein Glück sondern Fleiß und Berechnung. Glück fällt einem unverdient in den Schoss, sonst wäre es kein Glück.

Wer nach dem Glück strebt um seiner selbst Willen, der hat schon die Frage falsch gestellt. Glück kann man nicht erstreben, sondern es stellt sich ein durch Selbsttranszendenz und Hingabe an eine Sache oder einen Menschen quasi als Nebeneffekt.

Im Grunde wiederholt das die Weisheit, die auch aus dem Neuen Testament bekannt ist, in dem Jesus sagt, Nur wer sich selbst verliert, kann sein Leben gewinnen.

Viktor Frankl erklärt das gerne mit dem Auge. Das Auge kann alles sehen, nur nicht sich selbst. Wenn es einen Schleier auf seiner Netzhaut wahrnimmt, dann ist es krank und hat den grünen oder grauen Star. Nur das gesunde Auge kann über sich selbst hinwegsehen, sich selbst transzendieren.

Ebenso verhält es sich mit dem Sinn. Auch der Sinn kann nicht gemacht werden, genauso wenig wie das Glück. Sinn kann man nicht erfinden oder konstruieren. Sinn kann nur gefunden werden. Sinn ist immer schon da und sozusagen objektiv. 

Sinn entsteht durch die Hingabe an eine Sache oder an einen geliebten Menschen. Sinn weist immer über das Selbst hinaus. Deshalb ist jeder Versuch sich selbst zu verwirklichen sinnlos, weil er das Selbst nicht transzendiert.

Wer wollte im Ernst behaupten, der Sinn des Lebens bestünde ausschließlich darin, dass es ihm persönlich gut geht, ohne dabei rot zu werden?

Ist es nicht wie bei dem Märchen von Hans im Glück? Sein Glück besteht darin, dass er alles hergibt und am Ende nichts für sich behält?

Am Schluss erkennt Hans, dass all sein Besitz ihn beschwert hat, dass jedes Ding seinem Fortkommen, seiner Freiheit im Weg war. Geld und Besitz machen nicht glücklich, sondern die Art, wie man die Welt sieht.  Am Schluss, wo Hans gar nichts mehr besitzt als sich selbst, ist er am glücklichsten.

Genauso wie mit dem Glück, verhält es sich mit dem Leid. Es kommt nicht darauf an, dass man vom Leid verschont bleibt. Alle Menschen müssen sterben und der Weg dahin ist in der Regel mit Krankheit und Leiden verbunden.

Es kommt darauf an, wie man mit dem Leid umgeht. Man kann mitten im Leid zum Helden werden, zum Märtyrer, der Generationen von Menschen Mut zum Durchhalten und Kampfkraft geben kann.

Es ist nicht entscheidend, ob man siegreich ist, sondern dass man den Kampf nicht aufgibt.

Viktor Frankl

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2 Gedanken zu „Hans im Glück

  1. Kardinal Novize Igor

    In einer Kreuzwegandacht, die bei uns in der Kirche auflag, heißt es: „Schlimm ist nicht das Falle, sondern das Liegenbleiben und Liegenlassen.“

    Ich habe die Kreuzwegandachten immer sehr gerne mitgebetet, bin sozusagen den Kreuzweg symbolisch mitgegangen und habe über das Leiden gegrübelt.

    Nicht, dass sich eine Antwort im wörtlichen Sinne eingestellt hätte, wohl aber eine Ahnung, ein geistliches Gefühl über den Sinn des Leidens.

    LG KNI

    Antwort
  2. Kardinal Novize Igor

    PS.: „Gefühl“ ist in diesem Zusammenhang wohl ein zu starkes Wort, auch „Wissen“ ist es nicht, vielleicht aber „Gewissheit“.

    LG KNI

    Antwort

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