Axiome

  1. Es gibt eine Realität jenseits unserer Erkenntnis. Die Sonne, die Erde und den Mond gab es, lange bevor menschliche Erkenntnis möglich war. Die Menschen, die vor uns gelebt haben, wussten Vieles von dem nicht, was wir heute wissen. Was berechtigt uns dazu, anzunehmen, dass es in der Zukunft anders sein könnte?
  2. Es gibt keine theoriefreien Beobachtungen. Selbst die Aussage, dieses Ding ist ein Baum, setzt ein Konzept von dem, was ein Ding ist und ein Konzept davon, was die Klasse der Bäume ausmacht, voraus.
  3. Es gibt keine empirischen überzeitlichen Aussagen, da es keine physischen überzeitlichen Gegenstände gibt, die nicht dem Prozess des Werdens und Vergehens unterworfen sind.
  4. Der Begriff der Tatsache umfasst alles, was es überhaupt gibt. Selbst die Behauptung, es gäbe keine Tatsachen, ist selbst eine Tatsachenbehauptung. Es gibt keine Möglichkeit dem Begriff der Tatsache zu entrinnen.
  5. Es gibt keine dummen Fragen, dumm ist nur wer nicht fragt. Dumme Fragen sind einerseits aus dem Erkenntnisinteresse geboren, etwas wissen zu wollen, was der Fragende noch nicht weiß. Andererseits wollen dumme Fragen provozieren. Sie ziehen bisweilen etwas in Zweifel, was unter normalen Umständen als sicheres Wissen gilt. Dumme Fragen leben von ihrer scheinbaren Naivität, die nicht oder noch nicht, durch vermeintlich sicheres Wissen verstellt ist.
  6. (ergänzt am 6.1.2015)
    Die Antwort auf alle Fragen besteht darin, dass man warum auch immer beschließt, keine weiteren Fragen mehr zu stellen. (Kommentar)
  7. (ergänzt am 31.12.2014)
    Jedes Ding, jede Anschauung, jede (noch so gute) Absicht, jede Überzeugung, jede Theorie und ganz allgemein jede Tatsache hat mehr als nur eine Seite. (Kommentar)
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8 Gedanken zu „Axiome

  1. Pingback: Vom Dogmatismus | Dumme Fragen

  2. Marcello Francé

    “Es gibt keine dummen Fragen, dumm ist nur wer nicht fragt. Dumme Fragen sind einerseits aus dem Erkenntnisinteresse geboren, etwas wissen zu wollen, was der Fragende noch nicht weiß. Andererseits wollen dumme Fragen provozieren. Sie ziehen bisweilen etwas in Zweifel, was unter normalen Umständen als sicheres Wissen gilt. Dumme Fragen leben von ihrer scheinbaren Naivität, die nicht oder noch nicht, durch vermeintlich sicheres Wissen verstellt ist.“

    Dem möchte ich entschieden widersprechen. Es gibt dumme Fragen. Wenn jemand in der zwölften Klasse den Lehrer fragt, ob man die Überschrift in grün oder gelb schreiben soll, ist das eine dumme Frage. “Sie sind das schlechteste Rennen der Saison gefahren und wurden Letzter. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?“ “Äh, nein; eher nicht so.“ “Wie das?“ (so gehört in der Sportschau) und so weiter. Die #AfDfragen Wenn die Fragen nicht fragen, sondern nur destruktiv, ablenkend oder vertuschend wirken, sind sie dumm. Fertig.

    Antwort
    1. hansarandt Autor

      „Es gibt keine dummen Fragen“ ist natürlich keine wissenschaftliche Erkenntnis, die irgend einen Wahrheitswert für sich beanspruchen könnte.

      Ich habe diese Motto für meinen Blog gewählt, weil ich damit etwas sagen wollte.

      Ich meine damit sowas wie: „Ich lass mich nicht für dumm verkaufen.“ oder „es gibt keinen Satz, der so intelligent ist, das man ihn nicht in Frage stellen könnte und je nach dem auch sollte.

      Natürlich gibt es auch wirklich dumme Fragen, aber selbst wirklich dumme Fragen sollten auf keinen Fall verboten werden.
      Zum wissenschaftlichen Fortschritt trägt ganz wesentlich bei, dass einer eine Frage stellt, auf die bis her noch keiner gekommen ist, und die nicht selten auch von jeweils herrschenden Wissenschaft als dumm klassifiziert wird. Es ist wie im richtigen Leben: Oft ist man erst hinterher schlauer.
      Vielleicht verstehst du jetzt besser, was ich mit dieser kleinen Provokation „Es gibt keine dummen Fragen“ meine, vielleicht auch nicht. In der Rubrik über mich schreibe ich auch, wie ich auf die Idee mit den dummen Fragen gekommen bin.

      Antwort
      1. Marcello Francé

        Hmm, dann stellt sich jetzt die Frage (das ist natürlich tragisch), warum das ein Axiom sein sollte. Eigentlich ein hübscher WIderspruch- sind doch gerade Axiome nicht angreifbar, lassen doch gerade Axiome keine Fragen zu, weil es ja so ist (muss ja schließlich auch nicht bewiesen werden). Ohne Begründung kann man schließlich gar keine Fragen stellen- Was bringt das recht auf theoretisch nicht-dumme Fragen, wenn Fragen ausgeschlossen werden?

        „es gibt keinen Satz, der so intelligent ist, das man ihn nicht in Frage stellen könnte und je nach dem auch sollte“ Ja. Es gibt aber auch keine Frage, die so intelligent ist, dass sie definitiv grundsätzlich berechtigt ist- immerhin ist eine Frage ja schließlich auch eine Antwort. Eine ganz nette Frage dazu, war die früher bei der MPU gefragte: “Trinken Sie mehr Alkohol als früher?“ , bei der natürlich tertium non datur mit ja oder nein geantwortet werden musste.

        “Zum wissenschaftlichen Fortschritt trägt ganz wesentlich bei, dass einer eine Frage stellt, auf die bis her noch keiner gekommen ist, und die nicht selten auch von jeweils herrschenden Wissenschaft als dumm klassifiziert wird. Es ist wie im richtigen Leben: Oft ist man erst hinterher schlauer.“ Ja, wenn unangenehme Fragen als dumm klassifiziert werden, schon.
        Karl Landsteiner war nicht dumm, Barry Marshall ist es auch nicht gewesen- sie haben auch die richtigen Fragen gestellt gegen den Widerstand von anderen.

        Das wollte ich aber mit “destruktiv“ nicht unbedingt zum Ausdruck bringen. Ich meinte destruktiv im Sinne der Propagation von bewusst falschen Aussagen (was aber nicht dumm wäre) oder im Sinne von Verweigerung der Anerkennung der Realität (was dumm wäre) wie die Frage auf der sinkenden Titanic, wie lange die nassen Kohlen wohl zum Trocknen brauchen.

        Ich möchte mir kein Urteil darüber erlauben, welche Fragen dumm sind oder nicht-
        Aber dumme Fragen gibt es, genauso wie böse Fragen. Wer nicht fragt, bleibt dumm.
        Wer das falsche oder den Falschen fragt, auch.

        “Frag nur vernünftig, und du hörst Vernünftiges.“
        Euripides

      2. hansarandt Autor

        Fragen können dumm sein, sollten deshalb aber nicht verboten werden. Dinge, die angeblich nicht in Frage gestellt werden dürfen, sind meiner Meinung nach hoch problematisch und verdächtig. Das gilt auch für die sogenannte Realität, die sich vor oder nach der Kopernikanischen Wende zum Beispiel völlig anders darstellt. Das Selbe gilt für Newton und Einstein für die Welt vor oder nach Sigmund Freud etc.
        Axiome sind grundsätzlich willkürliche Setzungen die so oder auch ganz anders sein könnten. Das gilt auch und gerade für die Mathematik. Axiome sind Sätze, die man bereit ist, anzuerkennen und nicht weiter zu hinterfragen. Axiome sind in jedem Fall eine Übereinkunft und nicht naturgegeben.

      3. Marcello Francé

        “Axiome sind Sätze, die man bereit ist, anzuerkennen und nicht weiter zu hinterfragen“ Warum? Hier legst du dich aber selbst aufs Kreuz. Und wenn ich es aber doch tue?

      4. hansarandt Autor

        Weil Axiome selbst per definitionem nicht beweisbar sind sondern anerkannt werden müssen. Das sind die klassischen Beweisregeln der axiomatischen Mathematik.

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