Schlagwort-Archive: Zeitgeist

Kritische Theorie

Ich habe mich in letzter Zeit ein wenig mit der kritischen Theorie der Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno, Marcuse, Habermas) beschäftigt. Während des Zweiten Weltkrieges wirkten diese Herren ,Damen waren damals noch nicht in Mode, im sonnigen Kalifornien.

Ein schon etwas älterer Freund hat ihre damaligen Wirkungsstätten besucht und war besonders von dem Swimmingpool Horkheimers beeindruckt. Während seine Landsleute die finstersten Zeiten in Europa durchlitten, durften er und seine Kollegen auf der Sonnenseite des Planeten weilen.

Dort beschäftigte er sich zusammen mit seinen Mitstreitern Adorno und Marcuse mit der wissenschaftlichen Analyse des Nazianalsozialismus. Finanziert wurden die Forschungsarbeiten vom Office of Strategic Services (OSS), der Vorgängerorganisation des CIA.

Nach dem Krieg ging es vor allem um die „Reeducation“ der Deutschen, die mit großem Erfolg betrieben wurde. Finanziert wurden diese Programme damals großzügig von der UN in New York. Die Bundesdeutschen, wie sich die Bevölkerung des Westteils der geteilten Republik damals nannte, war der Meinung, Umerziehungslager gäbe es nur in der Sowjetunion und deren Satelliten-Staaten.

In Wirklichkeit aber steckten wir alle zusammen in einem solchen riesigen Lager ohne es zu merken. Im Gegenteil, wer etwas auf sich hielt, mich eingeschlossen, war auch noch stolz drauf. Es ging um nichts weniger als um die Abschaffung und Umwertung aller Werte.

Auf der Abschussliste standen Familie, Autorität, Nation, Mütterlichkeit, Männlichkeit, Fleiß, Ordnung, Sauberkeit und Stolz um nur einige zu nennen. Später gesellten sich die sexuelle Orientierung und das Geschlecht noch dazu.

  • Die Familie wurde auf das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung reduziert,
  • die Autorität wurde durch die Frauenquote ersetzt,
  • die Nation durch Europa und die Weltgesellschaft,
  • aus Mütterlichkeit wurde die „Herdprämie“ und das „Schapsgeld“
  • aus der Männlichkeit wurden der Frauenversteher, das Weichei und der Warmduscher, wer nicht mitmachen wollte, mutierte zum heteronormativen Sexisten,
  • aus dem Fleiß wurde die soziale Hängematte,
  • aus der Ordnung wurde das autonome Chaos,
  • aus der Sauberkeit wurde „macht kaputt, was euch kaputt macht,
  • aus dem Stolz auf das eigene wurde der Stolz auf die „Aufarbeitung“ und „Bewältigung“ der Kollektivschuld unserer Vorfahren,
  • aus der sexuellen Orientierung wurde die Vielfalt der „Polyamorie“ bzw. die Prostitution zum Nulltarif
  • und das biologische Geschlecht wurde gegen jede Empirie zur sozialen Konvention erklärt.

Es gibt immer exakt so viele verschiedene „Gender“, wie aktuell in der maßgebenden Community  auf Facebook aufgelistet werden. Endlich kann sich jede_*r, einer beliebigen Minderheit zuordnen oder selber eine erfinden, und wird so automatisch zum revolutionären Subjekt geheiligt.

Wie sagte doch Michael Klonowski? „Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.“

Das Interessante dabei ist, dass die eingefleischten Atheisten und gnadenlosen Aufklärer nicht zögern, das Geschlecht, oder was die dafürhalten, zu einer Glaubenssache zu erklären. Sie sind ohne Zögern bereit, Grundeinsichten der wissenschaftlichen Biologie und den gesunden Menschenverstand zu ignorieren, zu verwerfen und zu leugnen, als seien sie Anhänger_*innen einer fundamentalistischen Religionsgemeinschaft oder einer kreationistischen Sekte.

Handelte es sich hier nicht um eine Beschreibung der Gegenwart, sondern um Wertvorstellungen einer historischen Epoche, so würde man nicht zögern, hier von spätrömischer Dekadenz zu sprechen.

Horkheimer selbst war keineswegs, das autonome Subjekt von dem er gerne sprach. Er war wie jeder andere ein Kind seiner Zeit. Zum Beispiel wandte er sich gegen die Abtreibung und befürwortete den Vietnamkrieg. Am Ende seines Lebens wurde er sogar fromm.

Gestern hatte ich einen Aufsatz von ihm in der Hand, in dem es um Europa ging. In den ersten zwanzig Zeilen sprach er mindestens zehn Mal vom „Deutschtum“ und der „Deutschheit“. In dieser Häufung finden wir das zurzeit nicht mal bei einer AFD-Rede im Bundestag. Seine Forderung nach einer europäischen Identität wäre heute sogar in der IB Konsensfähig.

 

Advertisements

Moderne Gedankenpolizei

Unfähig sich zu erneuern, ohnmächtig und enttäuscht angesichts des Misserfolgs seines Projekts, hat sich das niedergehende moderne Denken allmählich in eine echte Gedankenpolizei verwandelt; sie soll alle, die von den Dogmen der herrschenden Ideologie abweichen, exkommunizieren. Weiterlesen

Und ewig grüßt das Murmeltier

Nach dem Mauerfall scheint sich das westliche, marktwirtschaftliche demokratische Modell der „Offenen Gesellschaft“ global durchgesetzt zu haben.

Bisweilen wurde diese Entwicklung als das „Ende der Geschichte“ gefeiert. (Fukuyama)

Der Kommunismus als die letzte totalitäre Ideologie wurde durch die Freiheit für alle ersetzt. Der real existierende Globalismus als Vorstufe des Reichs der Freiheit war bereits angebrochen. Weiterlesen